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Tagung: Fragmentierte Öffentlichkeit: Vom Lagerfeuer zur Filterblase?

 

Seit Jürgen Habermas‘ historischer Studie „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ (1962) wird das Verhältnis von Massenmedien, Gesellschaftswandel und politischer Kommunikation diskutiert. Während Habermas seinerzeit den Verfall einer (idealisierten) bürgerlichen Öffentlichkeit der Aufklärung im Zuge von Industrialisierung und Kommerzialisierung beschrieb, richtet sich das heutige Interesse meist auf den „Zweiten Strukturwandel der Öffentlichkeit“. Gemeint ist damit die Vervielfältigung, Ausdifferenzierung und strukturelle Veränderung elektronischer Medien im digitalen Zeitalter seit Ende der 1980er Jahre

Die Pluralisierung von medialen Angeboten und damit verbundene Tendenzen gesellschaftlicher Individualisierung lassen sich kaum bestreiten: Während populäre Formate wie z.B. die „Samstagabendshow“ oder Hauptnachrichtensendungen in der Prime Time in der Hoch-Zeit des Fernsehens noch generationsübergreifende Mehrheiten vor dem Bildschirm versammeln konnten, ist diese Form gemeinsamer Teilhabe heute offenkundig passé. Aber rechtfertigt dies bereits die Annahme eines Zerfalls der Öffentlichkeit und damit verbundener Gefahren für das demokratische System? Denkbar ist ja auch, dass diese Integrationsleistung historisch eine Ausnahmesituation war, die allein das Fernsehen von den 1960er Jahren bis in die frühen 1980er Jahre geschaffen hat. Notwendig ist demnach präzise und historisch informierte Blick: Durch welche Merkmale zeichnen sich Medien im Zeitalter der Plattformen, Algorithmen und LLMs aus, und welche Konsequenzen hat dies für die öffentliche Kommunikation? Wie unterscheiden sich diese von früheren historischen Konstellationen? Und rechtfertigt dies tatsächlich die Rede von „Filterblasen“ und einem „Zweiten Strukturwandel der Öffentlichkeit“?

 

2. Oktober, 11:05-12:40 Panel 3: Gegenöffentlichkeiten

Moderation: Golo Föllmer

  • Ahmet Köken/Stefan Rindlisbacher (Universität Fribourg): Von der Gegenöffentlichkeit zur Filterblase? Alternativzeitschriften der „Neuen Linken“ und „Neuen Rechten“ (1970-2000)
  • Lisa-Frederike Seidler (FU Berlin): Streikende Studis auf Sendung. Die West-Berliner Videozeitung im Offenen Kanal Berlin
  • Marlene Hempel (Universität Mainz): „VerUnEinigung!“ statt „Wiedervereinigung“? Eine Vorgeschichte der Filterblase am Beispiel postmigrantischer Gegenöffentlichkeiten
  • András Keskeny (Universität Szeged, Ungarn): Mikro und Netzwerköffentlichkeiten – Das Videokassettemagazin INFERMENTAL (1982-1991) als Experiment alternativer audiovisueller Öffentlichkeitsbildung

Vollständiges Programm...

Datum: 1./2. Oktober 2026

Organisation: Studienkreis Rundfunk und Geschichte e.V. - 53. Jahrestagung

Ort: Landesfunkhaus des MDR, Erfurt

Anmeldung: 27. September auf dieser Website

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